Gefechtsaufklärung

 

Die Gefechtsaufklärung dient zur Feststellung von Feindkräften, der Waffenwirkung oder von Veränderungen im Gelände und agiert nach dem Grundsatz:  

"Viel sehen und nicht gesehen werden"

 

Der Einsatz von Spähtrupps dient zur Aufklärung. Sie können als Spähtrupp zu Fuß, Spähtrupps auf Gefechtsfahrzeugen oder Stehende Spähtrupps eingesetzt werden.

  • Aufklärungsspähtrupp
  • Feststellen von Einzelheiten über den Feind (z.B. Art, stärke, Bewaffnung, Verhalten und die vermutl. Absicht in einem bestimmten Raum)
  • Halten der Feindfühlung und
  • Feststellen, ob bestimmte Räume feindfrei oder feindbesetzt sind

Der Spähtrupp zu Fuß kann sich der feindlichen Beobachtung leichter entziehen und wird bei geringer Entfernung zum Feind eingesetzt.

Der Spähtrupp auf Gefechtsfahrzeugen wird bei größeren Entfernungen zum Feind und zur raschen Einbringung von Aufklärungsergebnissen eingesetzt. Er besteht aus mindestens vier Fahrzeugen.

Der Spähtruppkommandant beurteilt das Gelände durch Einblicknahme bzw. an Hand der Karte. Seine Planung hat sich auf die Möglichkeiten, die sich dem Spähtrupp

  • zur Annäherung an das Aufklärungsziel,
  • am Aufklärungsziel selbst und
  • für den Rückweg bieten

zu konzentrieren.

Für die Annäherung unterteilt der Spähtruppkommandant das Gelände in

  • vermutlich feindfreie
  • feindgefährdete und
  • vermutlich feindbesetzte

Geländeteile.

FUSSSPÄHTRUPP

Der Spähtrupp zu Fuß geht unter Ausnützung aller Deckungen abschnittsweise von Beobachtungspunkt zu Beobachtungspunkt vor.

Vor jedem Beobachtungspunkt aus legt der Spähtruppkommandant

  • den weiteren Marschweg und
  • einen Sammelpunkt für den Fall fest, dass Teile des Spähtrupps durch Feindeinwirkung ausweichen müssen

Offene oder deckungsarme Geländeteile umgeht der Fußspähtrupp. Ist ein Umgehen nicht möglich, arbeitet sich der Spähtrupp unter Feuer und Bewegung vor.

Ortsein- oder –ausgänge sowie das Vorgehen auf Hauptstraßen in einer Ortschaft ist zu meiden.

Trifft der Spähtrupp auf einen feindlichen Spähtrupp oder eine Sicherung, lässt er diesen vorbei oder umgeht sie.

Trifft der Spähtrupp überraschend auf Feind, so ist unverzüglich das Feuer zu eröffnen und unter gegenseitigen Feuerschutz in die nächste Deckung auszuweichen.

Am Aufklärungsziel wird eine Rundumsicherung eingenommen um festzustellen:

  • wo befinden sich Feindkräfte
  • Stärke des Feindes
  • wo befinden sich Sperren
  • Verhalten des Feindes
  • wo sind Lücken in den feindlichen Stellungen, um aus der Flanke oder aus dem Rücken an den Feind heranzukommen.

Oft werden Aufklärungsergebnisse bereits durch Beobachtung von verschiedenen Beobachtungspunkten aus erbracht. Ein Eindringen in das Aufklärungsziel ist nur

  • nach längerer Beobachtung und wenn kein Feind erkannt wird oder
  • das gewünschte Ergebnis nicht anders erreicht werden kann

zulässig.

SPÄHTRUPP VOM GEFECHTSFAHRZEUG

Für den Spähtrupp auf Gefechtsfahrzeugen sind die Bestimmungen über den Fußspähtrupp sinngemäß anzuwenden. Zusätzlich ist zu beachten:

  • in voraussichtlich feindfreien Gelände bewegt sich der Spähtrupp geschlossen so lange wie möglich auf vorhandenen Bewegungslinien;
  • in feindgefährdeten Gelände bewegt sich der Spähtrupp im Allgemeinen überschlagend von Beobachtungspunkt zu Beobachtungspunkt;
  • in vermutlich feindbesetztem Gelände sowie bei Nacht und schlechter Sicht ist die raupenartige Fahrweise am zweckmäßigsten.

Je mehr sich der Spähtrupp dem Aufklärungsziel nähert und je wahrscheinlicher eine Feindberührung ist, umso kürzer werden die Abstände von Beobachtungspunkt zu Beobachtungspunkt und umso länger die Beobachtungshalte.

Der Spähtrupp nähert sich so weit wie möglich aufgesessen dem Aufklärungsziel

Für einen Beobachtungshalt fährt das Spähfahrzeug in eine geeignete Deckung. Das andere Fahrzeug hält Sichtverbindung. Ist ein Beobachtungshalt mit dem Gefechtsfahrzeug nicht durchführbar, ist abzusitzen und abseits zu beobachten. Dabei ist der Motor abzustellen, um auch Horchen zu können.

Kritische Stellen sind abgesessen aufzuklären. Die Bordschützen und/oder Maschinengewehrschützen überwachen das abgesessene Vorgehen.

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Wird eine Sperre erkannt, umgeht sie der Spähtrupp weiträumig. Trifft der Spähtrupp überraschend auf eine Sperre, eröffnet er auf erkanntem Feind das Feuer. Der Spähtrupp löst sich so rasch wie möglich vom Feind und umgeht die Sperre.

Bei überraschendem, unerwartetem Feindfeuer fährt der lagebedingt mit höchster Geschwindigkeit und mit allen Waffen feuernd weiter in die nächste Deckung oder setzt sich unter gegenseitigen Feuerschutz ab.

Muss eine unübersichtliche Kurve durchfahren werden, fährt das vordere Fahrzeug an der Innenseite der Kurve vor und hält so, dass das Gelände nach der Kurve überblickt und mit Feuer beherrscht werden kann.

Wird kein Feind erkannt, fährt das zweite Fahrzeug mit erhöhter Geschwindigkeit an der Außenseite der Kurve am sichernden Fahrzeug vorbei und übernimmt an der nächsten Kurve bzw. am Ende des eingesehenen Geländeteiles die Sicherung.

Wird Feind hinter der Kurve erkannt, zieht sich der Spähtrupp so weit zurück, dass er den Marschweg in Deckung gegen Feindsicht verlassen und diesen Geländeteil umgehen kann.

Ortschaften umgeht der Spähtrupp, wenn ihn nicht der Auftrag oder das Gelände zum Aufklären oder Durchfahren.

Bei Ortschaften ist zu beachten, dass Sicherungen des Feindes sich vermutlich nicht nur an Ortseingängen, sondern auch auf beherrschenden Geländepunkten vor der Ortschaft befinden.

Muss eine Ortschaft aufgeklärt werden, wählt der Spähtrupp einen möglichst unauffälligen Beobachtungspunkt, um Einsicht in die Ortschaft und deren nähere Umgebung zu gewinnen. Hierbei erfolgt die Annäherung in der Regel abgesessen in Flanke oder Rücken der Ortschaft.

Das Aufklärungsziel wird grundsätzlich abgesessen aufgeklärt. Hierzu haben die Fahrzeuge abseits von Wegen und Strassen Deckungen zu beziehen, aus denen die abgesessenen Teile notfalls durch Feuer unterstützt werden können. Dabei sind mögliche feindliche Sicherungen zu berücksichtigen. Die Aufklärung ist aus mehreren Richtungen anzustreben.

STEHENDER SPÄHTRUPP

  • Überwachen eines bestimmten Geländeteiles oder Objektes
  • Feststellen des Verhaltens des Feindes in einem bestimmten Raum.

Bei der Wahl der Beobachtungsstelle ist zu berücksichtigen

  • günstige Beobachtungsmöglichkeit zum Einsehen und Überwachen des befohlenen Geländeteiles oder Bauwerkes bei guter Sicht und Nacht und schlechter Sicht
  • Tarnung
  • verdecktes oder gedecktes Beziehen der Beobachtungspunkte
  • Stellungsmöglichkeiten für Gefechtsfahrzeuge
  • Ausnützen von Hindernissen und Sperren

Das Verhalten bei Feindannäherung wird dem Stehenden Spähtrupp befohlen und kann sein:

  • ohne Feuereröffnung unerkannt in der Stellung verbleiben
  • die Stellung räumen und ausweichen
  • das Feuer eröffnen

 

Copyright: TomNedry, CC BY

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