Angriff

 

1. ALLGEMEINES

Der Angriff ist eine Einsatzart mit dem Zweck, durch Feuer und Bewegung den Feind zu vernichten oder zu werfen und Gelände (Angriffsziel) in Besitz zu nehmen. Dies erfolgt entweder aus der Bewegung oder nach einer Bereitstellung.

Die Träger eines Angriffes sind die Kampfpanzer und die Panzergrenadiere. Ein Angriff wird grundsätzlich zumindest von einer gemischten oder verstärkten Panzergrenadier- oder Panzerkompanie durchgeführt.

Sind Kampfpanzer angreifenden Panzergrenadiereinheiten oder Verbänden unterstellt, fallen ihnen folgende Aufgaben zu:

  • die Sicherung des Bereitstellungsraumes auf (weite Entfernung)
  • die direkte Feuerunterstützung für die Panzergrenadiere auf das Angriffsziel,
  • die Sicherung des Angriffszieles nach dem Nehmen.

Diese Aufgaben werden von den Kampfpanzern aus Kampfstellungen erfüllt. Je nach Angriffsverlauf werden sie im Wechsel zwischen Feuer und Bewegung bezogen.

Der Angriff aus der Bewegung wird vor allem gegen in der Gefechtsbereitschaft unterlegenen Feind geführt (zB Luftlandungen). Er erfolgt aus dem Marsch. Dabei wird der Angriff so rasch wie möglich durch die entsprechend der Marschgliederung herankommenden Teile verstärkt. Der Erfolg wird meist durch die überraschende und schnelle Inbesitznahme der entscheidenden Geländeteile erzielt. Dem Panzerkommandanten können zunächst, infolge ungeklärter Feindlage, nur die Angriffsrichtung, die Gefechtsform sowie das erste Angriffsziel befohlen werden.

Ist bei einem Angriff aus der Bewegung eine „Ablauflinie" befohlen, wird vor Erreichen dieser die Marschgeschwindigkeit verringert. So wird das Aufschließen nachfolgender Teile und das Einnehmen der befohlenen Gefechtsform ermöglicht. Die Ablauflinie ist zur befohlenen Angriffszeit zu überschreiten.

2. ANGRIFFSVERFAHREN

Gelände, Feind und Sichtverhältnisse bestimmen das Angriffsverfahren.

Es sind die Angriffsverfahren

  • Kampfpanzer voraus,
  • Panzergrenadiere voraus,
  • Kampfpanzer und Panzergrenadiere gemeinsam oder
  • Kampfpanzer und Panzergrenadiere aus verschiedenen Richtungen

möglich.

Bei jedem Angriffsverfahren muss mit allen Mitteln versucht werden, während der Annäherung die feindliche Panzerabwehr auszuschalten.

Mit Kampfpanzern voraus wird im Panzergelände (übersichtliches Gelände) angegriffen. Die Kampfpanzer sind hierbei die Träger des Angriffes. Die Panzergrenadiere folgen den Kampfpanzern in einem vom Gelände abhängigen Abstand. Dieser darf jedoch höchstens 500 m betragen.

Vor dem Angriffsziel schließen die Panzergrenadiere auf. Sie brechen aufgesessen und gemeinsam mit den Kampfpanzern ein. Während die Panzergrenadiere die feindliche Infanterie niederkämpfen, stoßen die Kampfpanzer soweit über die Feindstellung hinaus, dass sie möglichen Gegenstoß bzw. Gegenangriff aus geeigneten Deckungen abwehren können. Sie nehmen dann vor allem den Kampf gegen feindliche Kampffahrzeuge in der Tiefe und in der Flanke auf oder sichern.

Oft liegt das Angriffsziel zwar im übersichtlichen Gelände, stellt aber selbst einen unübersichtlichen Geländeteil dar (zB Gehöftgruppe, Waldparzelle). In diesem Fall überholen die Panzergrenadiere die Kampfpanzer vor dem Angriffsziel. Sie brechen dann knapp vor den Kampfpanzern ein. Diese Bewegung erfolgt fließend. In der Folge sichern die Panzergrenadiere je nach Auftrag das Angriffsziel oder halten sich für die Fortführung des Angriffes bereit.

Mit Panzergrenadieren voraus wird im unübersichtlichen oder panzerhemmenden Gelände angegriffen. Die Kampfpanzer folgen hierbei den Panzergrenadieren so, dass sie diese stets unterstützen können. Sind die Panzergrenadiere eingebrochen, ziehen die Kampfpanzer in den Einbruchsraum nach. Das Nachziehen der Kampfpanzer kann aber erst dann erfolgen, wenn die Panzergrenadiere den Einbruchsraum genügend ausgeweitet und gesichert haben. Sodann unterstützen alle Kampffahrzeuge das weitere Nehmen des Angriffszieles.

Dieses Angriffsverfahren erfordert häufig den vorübergehend abgesessenen Kampf der Panzergrenadiere. Dabei darf die Verbindung zu diesen nicht abreißen, um die Unterstützung sicherzustellen.

Panzer und Panzergrenadiere greifen gemeinsam an

  • bei häufigem Wechsel zwischen übersichtlichen und unübersichtlichen Geländeteilen oder
  • bei Nacht und schlechter Sicht.

Beim Wechsel zwischen auf- und abgesessenem Kampf ist auf die Verbindung zu den Kampfpanzern zu achten.

Das Angriffsverfahren Panzer und Panzergrenadiere aus verschiedenen Richtungen wird angewandt

  • wenn geländebedingt die getrennte Annäherung erfolgversprechender ist oder
  • wenn der Feind dadurch überrascht werden kann.

Bei diesem Angriffsverfahren erfolgt die Annäherung zunächst räumlich getrennt. Die unterschiedliche Angriffsgeschwindigkeit zwischen den Kampfpanzern und den Panzergrenadieren muss jedoch zeitlich so aufeinander abgestimmt sein, dass das Zusammenwirken beim Einbruch sichergestellt ist. Ein örtlich und zeitlich genau abgestimmter Plan der Durchführung und eine sichere Verbindung sind Voraussetzung für dieses Angriffsverfahren. Panzergrenadiere sitzen im Angriff bei Tag und Nacht vorübergehend

  • vor panzerungünstigen Geländeteilen wie Ortschaften, Waldstücken usw.,
  • zum Ausschalten von Panzerabwehrwaffen oder Kampffahrzeugen auf nahe und nächste Entfernung, wenn eine gedeckte oder verdeckte Annäherung möglich ist und
  • vor Hindernissen und Sperren

ab.

3. ANGRIFFSVERLAUF

Allgemeines

Der Angriffsablauf besteht aus den Phasen

  • Bereitstellung (sofern der Angriff nicht aus der Bewegung erfolgt),
  • Aufmarsch und Überschreiten der Ablauflinie,
  • Annäherung,
  • Nehmen des Angriffszieles und
  • Sicherung des Angriffszieles.

Bereitstellung

Der Angriff nach Bereitstellung wird geführt, wenn

  • der Feind in der Gefechtsbereitschaft überlegen ist,
  • die Koordinierung mit anderen Waffengattungen, vor allem zur Ausschaltung überlegener Panzerabwehr, erforderlich ist,
  • der Angriff über Hindernisse und Sperren geführt werden muss oder
  • Versorgungsmaßnahmen erforderlich sind.

Erfolgt der Angriff nach Bereitstellung, gibt der Zugskommandant im Allgemeinen den Befehl für den Angriff an die Kommandanten des Zuges. Wenn möglich, werden die Panzerkommandanten in das Angriffsgelände eingewiesen. Anschließend erteilt der Panzerkommandant den Befehl für den Angriff an seine Besatzung. Dabei ist der Plan der Durchführung des Zugskommandanten von ausschlaggebender Bedeutung.

Die Bereitstellung kann in einem Bereitstellungsraum oder in einem Verfügungsraum erfolgen.

In einem Bereitstellungsraum trifft die Besatzung ihre letzten Vorbereitungen für einen Angriff im Rahmen des Panzergrenadierzuges. In einem Verfügungsraum hingegen hält sich die Besatzung eines Schützenpanzers nach Abschluss aller notwendigen Vorbereitungen für einen bevorstehenden Einsatz im Rahmen des Panzergrenadierzuges bereit.

Während der Bereitstellung muss infolge feindlicher Luftaufklärung mit Luftangriffen, gegebenenfalls auch mit dem Einsatz von Artillerie gerechnet werden. Die Bereitstellung muss daher möglichst kurz und aufgelockert erfolgen.

Im Befehl für die Bereitstellung werden vom Zugskommandanten vor allem

  • der Bereitstellungsraum und der Zeitpunkt für dessen Beziehen,
  • der Raum des Panzergrenadierzuges und der Platz der Schützenpanzer ,
  • die Maßnahmen für die Sicherung, die Tarnung, die Luftraumbeobachtung,
  • die Einzelheiten für die Unterstützung des Angriffes (soweit bekannt, zB die voraussichtliche Angriffszeit und befohlene Riegelstellungen unterstützender Kräfte),
  • die Versorgungsmaßnahmen und
  • die Verbindung

befohlen.

Das Antreten aus der Bereitstellung erfolgt in einer den Sichtverhältnissen und der Feindbedrohung entsprechenden Gefechtsform. Sie wird vom Kompaniekommandanten befohlen.

Aufmarsch

Der Aufmarsch erfolgt unmittelbar vor Erreichen der Ablauflinie". Hierbei nimmt der Panzergrenadierzug seinen Platz innerhalb der befohlenen Gefechtsform der mechanisierten Kompanie ein. Der Zugskommandant befiehlt die für die Annäherung zweckentsprechendste Gefechtsform.

Die Ablauflinie" ist eine quer zur Angriffsrichtung verlaufende Führungslinie zur Abstimmung der Bewegung der Angriffskräfte zu Angriffsbeginn. Sie ist eine im Gelände leicht erkennbare Linie (zB eine quer zur Angriffsrichtung verlaufende Straße, Buschreihe oder deckende Geländelinie).

Das Überschreiten der Ablauflinie erfolgt

  • grundsätzlich aus der Bewegung oder
  • ausnahmsweise nach einem kurzen Halt (Aufmarschhalt, zB für vorderste Teile, wenn es geländebedingt nicht möglich ist, die Gefechtsform aus der Bewegung einzunehmen).

MERKE: Spätestens ab Überschreiten der Ablauflinie ist die Feuerbereitschaft herzustellen.

Annäherung

Die Annäherung beginnt nach dem Überschreiten der Ablauflinie. Vor Angriffsbeginn kann das Angriffsverfahren meist nur für die erste Phase befohlen werden. Deshalb kann im Verlaufe der Annäherung entsprechend dem Gelände ein Wechsel des Angriffsverfahrens erforderlich sein.

Zwischenziele werden dem Panzergrenadierzug zur Einhaltung der Angriffsrichtung befohlen. Dies ist vor allem bei Nacht oder bei einem weit entfernten Angriffsziel notwendig. Erforderlichenfalls befiehlt der Zugskommandant zusätzlich Richtungspunkte.

In dieser Phase des Angriffes haben die Schützenpanzer befohlene Geländeteile zu gewinnen. Erforderlichenfalls haben sie dort befindlichen Feind zu werfen. Nach Inbesitznahme solcher Geländeteile haben sie oft für das weitere Vorgehen anderer Teile der Angriffskräfte Feuerschutz zu geben. Grundsätzlich erfolgt dies im Rahmen des Panzergrenadierzuges. Im Angriff hat der Panzergrenadierzug mit den angreifenden Kampfpanzern gemeinsam den Kampf gegen Panzerabwehrwaffen und feindliche Infanterie zu führen.

Zur weitreichenden Panzerabwehr setzt der Feind Kampfpanzer, Panzerabwehrlenkwaffen und Panzerabwehrkanonen ein. Zur Nahbekämpfung verwendet er Panzerabwehrrohre. Diese Panzerabwehrwaffen werden vorwiegend aus flankierenden und gut getarnten Stellungen eingesetzt. Darüber hinaus muss in jeder Lage mit dem Einsatz von Panzerabwehrhubschraubern gerechnet werden. Feindliche Panzerabwehrwaffen sind besonders gefährlich, weil sie schwer zu erkennen sind.

Geländeteile, die sich als Stellungen für Panzerabwehrwaffen eignen, müssen daher besonders beobachtet werden.

Panzerabwehrstellungen liegen zumeist an

  • Höhenrücken
  • Wald-und Ortsrändern oder in
  • Buschgruppen bzw. Baumzeilen sowie in
  • Mulden oder Trichtern.

Engen und Hindernisse (Sperren) werden meist von Panzerabwehrwaffen aus frontal oder flankierend liegenden Stellungen überwacht.

Im Zuge des Angriffes hat die Panzerbesatzung erkannte Panzerabwehrwaffen sofort zu bekämpfen oder zu melden. Gegen weitreichende Panzerabwehrwaffen ist die Maschinenkanone, gegen Panzernahkampftrupps das Turmmaschinengewehr zu verwenden.

In der Bewegung versucht der Panzerfahrer den Schützenpanzer durch schnelles Fahren, häufige Richtungsänderungen und durch kürzere Abstände von Stellung zu Stellung dem Feuer der feindlichen Panzerabwehrwaffen zu entziehen. Dadurch bietet er dem Feind nur für kurze Zeit ein Ziel zum Anrichten. Wo immer möglich meidet er offene Geländeteile.

Erkennt der Panzerkommandant den Abschuss einer Panzerabwehrlenkwaffe oder wird er vor einer gewarnt, befiehlt er die nächste Deckung zu erreichen. Dabei führt der Panzerfahrer mit dem Schützenpanzer häufige Richtungsänderungen durch. In diesem Fall ist die gleichzeitige Selbsteinnebelung zweckmäßig.

Beobachtet der Panzerkommandant den Abschuss einer Panzerabwehrlenkwaffe, alarmiert er die anderen Schützenpanzer des Zuges.

Befindet sich die Abschussstelle innerhalb der Waffenwirkung der Bordwaffen, ist unverzüglich das Feuer auf diese zu eröffnen. Feindliche Infanterie ist aufgrund ihrer Ausstattung mit Panzerabwehrwaffen und Panzernahbekämpfungsmitteln in der Lage, den Schützenpanzer auf nächste, nahe und mittlere Entfernung zu bekämpfen.

Mit dieser Gefahr muss vor allem in unübersichtlichen Geländeteilen (Wald, Ortschaften) sowie bei Nacht oder schlechter Sicht gerechnet werden.

Handelt es sich um abgesessene Panzergrenadiere, ist auch mit der Wirkung der Bordwaffen der Schützenpanzer zu rechnen.

Der Schützenpanzer schützt sich gegen feindliche Infanterie am wirksamsten

  • in der Bewegung durch ständige Gefechtsfeldbeobachtung und sofortige Bekämpfung von Stellungen, aus denen der Einsatz von Panzerabwehrwaffen der Infanterie bzw. von Panzernahkampfmitteln erkannt oder vermutet wird sowie
  • in der Stellung durch Nahsicherung der Panzergrenadiere.

Zur Bekämpfung feindlicher Infanterie werden, bis einschließlich mittlere Entfernung die Maschinengewehre und darüber hinaus die Maschinenkanone mit Mehrzweckmunition eingesetzt. Befinden sich die feindlichen Schützen an einem Waldrand oder in Gärten, kann die Wirkung der Mehrzweckmunition durch Beschuss der Baumwipfel bzw. von Hausfassaden erhöht werden.

Während der Bewegung kann es zweckmäßig sein, Geländeteile, in denen feindliche Infanterie vermutet wird, mit dem Turmmaschinengewehr unter Feuer zu nehmen.

Die Panzerbesatzung muss damit rechnen, plötzlich auf Stellungen feindlicher Infanterie zu stoßen (zB unmittelbar hinter Kuppen oder in Senken). In so einem Fall sind diese durch das Feuer aus den Maschinengewehren niederzuhalten und rasch zu überrollen.

MERKE: Auch die Kette ist eine Waffe.

Sperren begünstigen den Feuerkampf der feindlichen Panzerabwehr. Sie werden vom Feind meist so angelegt, dass die Besatzungen angreifender Kampffahrzeuge von ihrer Lage im Gelände überrascht werden. Dieses Überraschungsmoment wird oft von der Panzerabwehr des Feindes zur schlagartigen Feuereröffnung genützt. Trifft die Panzerbesatzung überraschend auf eine Sperre, ruft jenes Besatzungsmitglied, welches die Sperre zuerst erkannt hat, „Achtung Sperre!".

Erkennt die Besatzung des Schützenpanzers Feind an der Sperre, eröffnet sie sofort das Feuer. Dies hat gegebenenfalls auch auf Verdacht zu erfolgen. Bei Feindfeuer nebelt sich der Schützenpanzer ein und fährt in die letzte Deckung zurück.

So rasch als möglich hat der Panzerkommandant alle Feindbeobachtungen sowie Angaben über die Sperre dem Zugskommandanten zu melden. Der weitere Einsatz wird vom Zugskommandanten befohlen. Voraussetzung für eigene Anstrengungen eine Sperre zu öffnen, zu räumen und zu überwinden ist, dass die im Bereich der Sperre eingesetzten Feindkräfte niedergekämpft oder geworfen werden. Dies erfolgt durch die Panzergrenadiere unter dem Feuerschutz der Kampffahrzeuge. Es ist von der Art und dem Ausmaß der Sperre abhängig, ob für das Öffnen oder Räumen der Sperre der Einsatz eigener Pioniere erforderlich ist.

Minensperren sind meist gut getarnt und daher erst sehr spät erkennbar. Werden Minen erkannt oder vermutet, so hat dies der Panzerkommandant unverzüglich zu melden.

Mit einzeln verlegten Panzerminen muss vor allem

  • in Engen sowie in Hohl- und auf Waldwegen,
  • in Gräben und Mulden,
  • auf Brückenauffahrten und Zufahrten zu möglichen Furtstellen sowie
  • auf Umfahrungsmöglichkeiten von Sperren aller Art

gerechnet werden.

Mit Minenfeldern oder Minenriegeln muss auch auf freien Flächen gerechnet werden. Sie können offen, getarnt oder verdeckt verlegt sein.

Können vermutlich verminte Geländeteile nicht umgangen werden müssen sie von Pionieren nach Minen abgesucht werden. Erkannte Minen werden von diesen geräumt. Die Pioniere werden dabei von den Schützenpanzern gesichert.

Fährt ein Schützenpanzer auf eine Mine, treffen die anderen Schützenpanzer folgende Maßnahmen:

  • Feuerschutz für den ausgefallenen Schützenpanzer,
  • Zurückfahren in gleicher Spur in die nächste Deckung,
  • Gefechtsfeldbeobachtung vorrangig in jene Geländeteile, aus denen der Feind die Sperre überwachen kann.

Ist der Schützenpanzer durch Mineneinwirkung bewegungsunfähig, muss die Panzerbesatzung

  • weiter beobachten,
  • bedrohende Ziele bekämpfen,
  • sich erforderlichenfalls einnebeln, um den Schützenpanzer zu verlassen,
  • Selbst- und Kameradenhilfe leisten,
  • Verwundete aus dem Schützenpanzer bergen,
  • den Umfang und die Art des Schadens am Schützenpanzer melden

und

  • den Schützenpanzer für die Bergung vorbereiten.

Muss der Schützenpanzer aufgegeben werden, so hat die Besatzung in der Fahrspur des Schützenpanzers zurückzugehen.

Der Einsatz von Kampfmitteln durch Steilfeuerwaffen und Luftfahrzeuge des Feindes kann das Verhalten des Schützenpanzers entscheidend beeinflussen.

Feindliches Steilfeuer kann die Kampf- und Bewegungsfähigkeit des Schützenpanzers und der Besatzung einschränken oder auch zum Erliegen bringen.

Gerät ein in Bewegung befindlicher Schützenpanzer in Steilfeuer, so hat der Panzerfahrer dieses zu umfahren. Wenn dies nicht möglich ist, ist es mit geschlossenen Luken und höchstmöglicher Geschwindigkeit zu durchfahren.

 

Nehmen des Angriffszieles

Für das Nehmen des Angriffszieles befiehlt der Zugskommandant die Einbruchsstelle. Hiezu legt er einen leicht erkennbaren Geländeteil als Richtungspunkt fest.

Zum Einbruch in ein Angriffsziel in übersichtlichem Gelände führen die Kampfpanzer den Stoß. Der Einbruch erfolgt gemeinsam mit den Panzergrenadieren.

Beim Einbruch in unübersichtliches Gelände führen die Panzergrenadiere im Feuerschutz der Kampfpanzer den Stoß. Hiezu treten die Panzergrenadiere meist in schmaler oder tiefer Gefechtsform aus der Sturmausgangsstellung an. Auf diese Weise ermöglichen sie den unterstützenden Kampffahrzeugen den Feuerschutz unmittelbar vor den Moment des Einbruches.

Die Panzergrenadiere müssen nach einem erfolgreichen Einbruch die genommene Feindstellung (zB Haus) für die unterstützenden Kampffahrzeuge deutlich kennzeichnen.

Greifen die Panzergrenadiere abgesessen eine Ortschaft an, so achtet die Besatzung eines Feuerschutz gebenden Schützenpanzers dabei besonders auf Öffnungen im Dach, Dachfenster, Fenster und Türen, Kelleröffnungen, Kaminwinkel und Mauerecken. Auch aus Nachbargebäuden kann der Feind in die Flanke oder in den Rücken der Panzergrenadiere wirken. Vermuteter oder erkannter Feind ist niederzuhalten. Gebäudeteile, in denen Feind vermutet wird, sind unter Feuer zu nehmen.

Die Schützenpanzer folgen sodann auf Befehl oder Zeichen rasch nach, um die Panzergrenadiere durch Niederkämpfen von Zielen in der Tiefe zu unterstützen.

Während des Einbruchs in die Feindstellungen sind die Schützenpanzer der feindlichen Panzerabwehrwaffen besonders ausgesetzt. Die Schützenpanzer sichern sich dagegen durch gegenseitige Überwachung. Überraschend auftretende Ziele können je nach Möglichkeit durch Feuer oder auch durch Überrollen vernichtet werden.

Unmittelbar nach dem Einbruch ist stets mit einem durch Panzer unterstützten Gegenangriff zu rechnen. Erfolgt ein solcher, ist er mit der gesamten Feuerkraft abzuwehren. Hierbei fällt meist die Entscheidung über den Angriffserfolg.

Sicherung des Angriffszieles

Ist das Angriffsziel genommen, werden sofort Maßnahmen zur Sicherung des Angriffszieles nach den Grundsätzen der Verteidigung getroffen. Die Schützenpanzer werden so eingesetzt, dass sie in unübersichtliche Geländeteile und auf Annäherungsmöglichkeiten des Feindes wirken können. Sie unterstützen dabei den Kampf der abgesessenen Panzergrenadiere.

Im Zuge der Sicherung eines Angriffszieles kann der Panzergrenadierzug, zB durch Infanterie abgelöst werden. Den Ablauf einer derartigen Ablöse regelt der Zugskommandant.

Der Panzerkommandant muss den Kommandanten der ablösenden Infanterie in seinen Auftrag einweisen. Auf Befehl fährt der Schützenpanzer in einen vom Zugskommandanten befohlenen Sammelraum. Dort wartet er in einer Deckung das Eintreffen aller Schützenpanzer des Panzergrenadierzuges ab. Das weitere Verhalten richtet sich nach den Befehlen des Zugskommandanten.

Führt der Feind einen Gegenangriff, während sich die Panzerbesatzung mit ihrem Schützenpanzer aus der Stellung löst, bezieht sie erneut die Stellung und wehrt den Angriff ab.

 

Copyright: TomNedry, CC BY

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