Stellungswahl

 

Die richtige Wahl der Stellung ist ein wesentlicher Teil der Geländeausnützung. Sie ist für den Kampferfolg und die Erhaltung der Kampfkraft entscheidend.

Stellungen werden unterschieden nach

  • dem Auftrag,
  • dem Schutz und
  • der Lage im Gelände.

Stellungen nach dem Auftrag

Man unterscheidet

  • Kampfstellungen und
  • Bereitschaftsstellungen.

Kampfstellungen sind vorbereitete Stellungen, aus denen unmittelbar der Feuerkampf geführt wird.

Die Kampfstellungen des Schützenpanzers sind:

  • die Hauptstellung,
  • die Ergänzungsstellung und
  • die Wechselstellung.

Eine Kampfstellung soll folgende Forderungen erfüllen:

  • Wirkungsmöglichkeit in den gesamten, befohlenen Feuerbereich, jedoch nicht über die Einsatzschussweite der Maschinenkanone hinaus,
  • Deckung vor allem gegen Flachfeuer,
  • Tarnungsmöglichkeit gegen Erd- und Luftsicht,
  • Möglichkeit für ein gedecktes oder verdecktes Beziehen und einen gedeckten oder verdeckten Stellungswechsel,
  • eine erschwerte Annäherung von der Feindseite (Anlehnung an ein Hindernis).

Ist der Schützenpanzer in einem Stellungsraum oder in einer Riegelstellung eingesetzt, befiehlt in der Regel der Zugskommandant die Haupt- bzw. Ergänzungsstellung.

In den Kampfstellungen soll der Schützenpanzer möglichst waagrecht stehen, um eine Verkantung der Bordwaffen zu vermeiden.

Die Hauptstellung ist jene Stellung, aus welcher der Schützenpanzer den Feuerkampf in der Hauptschussrichtung des Panzergrenadierzuges bzw. im befohlenen Feuerbereich führt.

Eine Ergänzungsstellung ist erforderlich, wenn die Durchführung des Auftrages aus der Hauptstellung nicht möglich ist, zB zur Abwehr eines nicht in der Hauptschussrichtung des Panzergrenadierzuges angreifenden Feindes.

Für die Hauptstellung und die Ergänzungsstellung wird vom Zugskommandanten jeweils mindestens eine Wechselstellung zugewiesen. Diese ist zu erkunden und vorzubereiten.

Aus der Wechselstellung muss derselbe Kampfauftrag wie aus der Haupt- bzw. der Ergänzungsstellung erfüllt werden können.

Der Stellungswechsel muss vom Feind unbeobachtet, also gedeckt oder verdeckt durchgeführt werden können.

Ist dies geländebedingt nicht möglich, kann der Stellungswechsel im Schutz der Selbsteinnebelung durchgeführt werden. Die Selbsteinnebelung darf aber die anderen Schützenpanzer in der Sicht nicht behindern. Soll der Schützenpanzer einen Stellungswechsel durchführen, gibt der Panzerkommandant den Befehl „Stellungswechsel!" und befiehlt erforderlichenfalls die weitere Durchführung. Der Schützenpanzer fährt beim Stellungswechsel zügig, mit in Feindrichtung geschwenkter Maschinenkanone und unter Ausnützung des Zwischengeländes.

Im Stellungsraum (erforderlichenfalls auch in einer Riegelstellung oder Verzögerungsstellung) wird dem Schützenpanzer durch den Zugskommandanten eine Bereitschaftsstellung zugewiesen, wenn die Kampfstellung nur wenig Deckungs- und Tarnungsmöglichkeiten bietet (s. Abb. 19). Das Beziehen erfolgt auf Befehl des Zugskommandanten.

Die Bereitschaftsstellung muss Schutz gegen Erdsicht, Flachfeuer, beobachtetes Steilfeuer, Luftsicht und auch gegen elektronische Aufklärung bieten. Dies ist vor allem in bedecktem Gelände sowie in Ortschaften möglich.

Aus der Bereitschaftsstellung muss die jeweilige Kampfstellung gedeckt oder verdeckt rasch bezogen werden können. Dabei sind Staub- und Rauchentwicklung weitgehend zu vermeiden, da die eigene

Bewegung sonst frühzeitig vom Feind erkannt wird. Der Weg dorthin ist zu erkunden. Anschließend ist die Panzerbesatzung einzuweisen.

Die Gefechtsfeldbeobachtung und die Nahsicherung müssen stets gewährleistet sein.

Die Bereitschaftsstellung wird auch zur Durchführung von Versorgungstätigkeiten genützt.

Zum Beziehen von Stellungen soll die Fahrtstrecke folgende Möglichkeiten bieten:

  • möglichst geradlinige Wegführung (Lenkbewegungen vermehren Spuren),
  • Anlehnung an Geländelinien (Wege, Baumzeilen, Schneisen) zur Herabminderung der Erkennbarkeit der Spuren,
  • Deckung, zumindest aber Sichtdeckung, zum unerkannten Stellungswechsel,
  • Erkennbarkeit der Wegführung bei Nacht (Markierung).

Stellungen nach dem Schutz

Stellungen nach dem Schutz sind

  • die teilgedeckte Stellung,
  • die verdeckte Stellung,
  • die gedeckte Stellung und
  • die offene Stellung.

Die teilgedeckte Stellung schützt vor allem die Wanne vor feindlicher Waffenwirkung. Sie ist die günstigste Kampfstellung und daher immer anzustreben.

Für teilgedeckte Stellungen bieten sich

  • Bodenerhebungen wie Böschungen, Dämme, Höhenrücken,
  • Bodenvertiefungen wie Mulden, Gräben und
  • Bodenbedeckungen wie niedere Bauten und Mauern

an.

Der Schützenpanzerturm soll nicht höher als notwendig über die Deckung hinausragen. Der Panzerkommandant hat daher beim Beziehen der teilgedeckten Stellung den Panzerfahrer einzuweisen.

Die verdeckte Stellung entzieht den Schützenpanzer der Feindsicht (günstige Tarnmöglichkeit). Dies gilt jedoch nicht für eine Beobachtung mit Wärmebildgeräten. Sie schützt ihn auch kaum vor feindlicher Waffenwirkung.

Für verdeckte Stellungen eignen sich viele Arten von Bodenbedeckungen wie Hecken, Gebüschreihen, Waldränder, usw. Die Bodenbedeckung darf jedoch die Gefechtsfeldbeobachtung, das Schussfeld und den für den Feuerkampf erforderlichen Schwenkbereich des Schützenpanzerturmes nicht einengen.

Die gedeckte Stellung bietet Schutz vor der Wirkung von Flachfeuerwaffen zumindest in der erwarteten Richtung. Da aus ihr der Feuerkampf mit dem Schützenpanzer nicht geführt werden kann, eignet sich diese Stellung nur als Bereitschaftsstellung oder in Verfügungs- bzw. Unterziehräumen.

Sie kann auch als Beobachtungsstellung verwendet werden. Hierzu fährt der Schützenpanzer nur soweit aus der Deckung, wie es für die ungehinderte Beobachtung durch die Zieleinrichtungen erforderlich ist.

Die offene Stellung bietet weder Schutz vor feindlicher Sicht noch vor Waffenwirkung. Aus ihr wird der Feuerkampf nur ausnahmsweise geführt, wenn keine Deckung vorhanden ist oder der Feind wegen seiner Gefährlichkeit zur sofortigen Feuereröffnung aus einem Schießhalt zwingt.

Besser und daher anzustreben ist es, den Feuerkampf aus der Fahrt zu führen.

Stellungen nach der Lage im Gelände

Stellungen werden je nach ihrer Lage im Gelände benannt. Sie können

  • eine Vorderhangstellung, wenn sie am feindseitigen Hang liegt,
  • eine Hinterhangstellung, wenn sie auf der dem Feind abgewandten Seite des Hanges liegt,
  • eine Kammstellung, wenn sie im Wesentlichen auf dem Kamm eines Höhenrückens liegt oder
  • eine Randstellung, wenn sie entlang eines Orts- oder Waldrandes liegt

sein.

Vorderhang-, Kamm- und Randstellungen bieten gute Beobachtungsmöglichkeiten und ein gutes Schussfeld. Solche Stellungen sind aber der feindlichen Beobachtung und vor allem der Wirkung von Flachfeuerwaffen ausgesetzt, welche möglicherweise weiterreichen als es die eigenen Bordwaffen vermögen. Das Gleiche gilt für Stellungen in einem ebenen Gelände.

Kamm- und Randstellungen bieten den Vorteil, dass Tätigkeiten hinter den Stellungen von Erdfeind nicht eingesehen werden können. Außerdem erleichtern sie allenfalls einen notwendigen Stellungswechsel sowie das Abbrechen des Gefechts.

Hinterhangstellungen sind so lange der feindlichen Erdbeobachtung und der Wirkung von Flachfeuerwaffen entzogen, bis der Feind den Höhenrücken überschreitet. Sie ermöglichen den Feuerkampf auf eine günstige Kampfentfernung. Bei einer Hinterhangstellung muss die Gefechtsfeldbeobachtung in das Gelände vor dem Höhenrücken sichergestellt sein.

Wald- und Ortsränder sowie andere auffallende Geländeteile ziehen das Feuer auf sich. Randstellungen sind daher so weit in die Tiefe zu verlegen, dass aus ihnen der Auftrag zwar erfüllt werden kann, aber die Wirkung feindlicher Flachfeuerwaffen herabgesetzt wird.

 

Copyright: TomNedry, CC BY

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